Rechtsanwalt und Strafverteidiger

 

Björn Schüller

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Generelles 


Zauberpilze (Psilocybinhaltige Pilze) sind psychoaktive Pilze, die die Wirkstoffe Psilocybin oder Psilocin enthalten. Das Psilocybin wird dann spätestens im Körper zu Psilocin umgewandelt. Psilocin wirkt als psychedelisches Halluzinogen (vergleichbar mit LSD).


Psychoaktive Pilze wachsen besonders an feuchten Gebieten wie Wälder, Wiesen und gerne auf Kuhweiden. Sie sind in verschiedenster Form in der Natur aufzufinden.


Das wohl bekannteste Beispiel eines psychoaktiven Pilzes in unserer Region ist der Spitzkegelige Kahlkopf (Psilocybe semilnceata). Dieser enthält einen Psilocybingehalt von 0,8-1% in der Trockenmasse. Insgesamt wurden ungefähr 150 psilocybinhaltige Pilze entdeckt, von denen aber nur etwas mehr als die Hälfte halluzinogene Wirkungen haben. Ein anderes bekanntes Beispiel ist der Teonanacatl-Pilz (Psilocybe mexikana), der aus südamerikanischen Gegenden stammt.


Die halluzinogenen Rauschpilze können nochmal in verschiedene Gattungen unterteilt werden:


Psilocybe (Kahlkopfpilze)

Stropharia (Täuschlingspilze)

Gymnopilus (Flämmlinge)

Panaeolus (Düngerlinge)

Hypholoma (Schwefelköpfe)

Pluteus (Dachpilze)

Conocybe (Samthäubchen)


Der Wirkstoffgehalt in den psychoaktiven Pilzen ist nicht konkret zu bestimmen, da er oft nicht gleichmäßig in den Pilzen verteilt ist, weswegen einige Pilzteile eine stärkere Wirkung haben und andere Teile wirkungslos sind. Eine genaue Dosierung ist kaum möglich und dadurch entsteht das Risiko unerwarteter Komplikationen. Um dem Problem zu umgehen, werden die Pilze oft zu einem Pulver verarbeitet. Ein Pilz-Trip dauert ungefähr zwei bis vier Stunden. Bei hohen Dosen kann er sogar bis zu acht Stunden dauern. Sobald die Wirkung nachlässt bricht der Trip auch abrupt ab.


Psychoaktive Pilze sind sog. Biodrogen. Sie haben zahlreiche, in ihrer Auswirkung unbekannte, Inhaltsstoffe. Besonders problematisch ist, dass der Wirkstoffgehalt bei Pilz zu Pilz variiert und auch bei einem Pilz selber bestimmte Stellen stärker wirken als andere. Gestreckt werden psychoaktive Pilze wegen ihrer Konsumform jedoch in der Regel nicht.


Typische Szenenamen für die Zauberpilze sind:


Magic Mushrooms, Mushrooms, Psilos, Psylos, Zauberpilze, Kahlkopf und die einzelnen Pilznamen



Historie


Psilocybinhaltige Pilze wurden bereits von den Urvölkern bei spirituellen Zeremonien verwendet und gehören somit zu den ältesten Drogen der Menschheit. 1955 wurde die Droge für die zivilisierte Welt neu entdeckt, woraufhin es Albert Hofmann 1958 gelang die psychoaktiven Substanzen der Pilze zu isolieren und zu identifizieren. In den 60er Jahren wurde das in den Pilzen enthaltene Psilocybin als Medikament in der Psychoanalyse und Psychotherapie eingesetzt. Nachdem Missbrauch der Droge und steigendem medialen und politischen Druck wurden Pilze 1966/67 in den USA verboten. 1971 wurden die Pilze dann auch in Deutschland verboten. Somit wurde der Umgang mit der wohl ältesten Kulturdroge kriminalisiert. Seit dem Ende der 90er Jahre haben die Zauberpilze wieder eine Hochphase. Sowohl Freizeitmykologen (vgl. das Buch „Das Pilzzucht-Buch“ von Bert Marco Schuldes und Sam Lanceata) als auch Drogenkonsumenten interessieren sich immer mehr für die psychoaktiven Pilze.



Konsumform


Die Pilze werden roh oder getrocknet gegessen. In Asien gibt es psychoaktive Pilz-Omelettes und ähnliche Speisen. Sie werden auch regelmäßig zermahlen , um eine psychoaktive Schokolade oder Honig herzustellen.



Wirkung


Die Wirkung der psychoaktiven Pilze ist ähnlich zu anderen klassischen Halluzinogenen (z.B. LSD). Aufgrund des stark schwankenden Wirkstoffgehalts der Pilze schwer zu sagen wie der konkrete Pilz wirken wird. Grundsätzlich setzt die Wirkung ca. nach 20-30 Minuten ein. Dieses führt zu einem Gefühl , dass einem Alkoholrausch ähnelt. Zudem verspürt man ein inneres Wärmegefühl und gesteigerte Lust auf Sex, ähnlich wie bei einem Aphrodisiakum ( Liebesspiel und Orgasmus werden dann oft in einer neuen Dimension erlebt ). Die typischen Halluzinationen beginnen jedoch erst nach einer Stunde und erreichen erst nach zwei Stunden ihren Höhepunkt. Ähnlich wie bei LSD hängt die Wirkung nicht nur von der Dosis ab, sondern auch von den Erwartungen des Konsumenten, seiner Stimmung, seinen Erwartungen und der Umgebung, in der er die Droge benutzt (Set & Setting). In der Regel bedarf es für einen Rausch von 4-6 Stunden mindestens 10 g frischer Pilze oder 2 g getrockneter Pilze. Psychoaktive Pilze haben kaum körperliche Effekte, dafür jedoch gravierende psychische Effekte. Wie im Umgang mit allen Drogen ist zu empfehlen, erstmal mit geringen Mengen (also hier mit deutlich weniger als 2 Gramm zu experimentieren, um sich so an die Menge heranzutasten, die persönlich noch als angenehm empfunden wird. Der eine mag halt einen Berauschungsgrad, der mit einem Sektschwips mit leicht psychedelischer Note zu vergleichen ist und ohne optische Halluzinationen auskommt, der andere braucht das komplette Spektrum, dass diesen mächtigen Pilzen innewohnt. Diese magischen Pilze können phantastische Halluzinationen auslösen, es wird häufig so beschrieben, dass es sich so anfühlt, als ob man in einen reißenden Strom aus Eindrücken taucht. Ob man dann eher bei Alice im Wunderland landet oder in zutiefst verstörenden Reichen, die von Dämonen und Toten beherrscht werden, lässt sich nicht sagen. Genau das meint Set und Setting. Wer ohnehin schon psychisch nicht auf der Höhe und instabil ist, sollte die Finger nicht nur von Pilzen, sondern auch von Psychedelika aller Art lassen. Es handelt sich bei Pilzen eben nicht um eine Partydroge, die man sich mal eben so einklinken sollte, sondern um „Lehrer“, die ans Licht oder eben in die finstersten Ecken der eigenen Seele führen können. Das ist ein riskantes Spiel und dies sollte klar sein.



Körperliche Effekte


a) Positiv beschriebene Effekte


Möglicherweise gesteigerte Energie und Herzschlag

Entspanntheit und Muskelentspannung


b) Negativ beschriebene Effekte


Körpertemperatur steigt und Pupillen erweitern sich

Schwindel und Übelkeit, sowie Appetitverlust

Schüttelfrost

Muskel- und Bauchschmerzen



Psychische Effekte


Das Psilocybin in den Pilzen imitiert aufgrund seiner strukturellen Ähnlichkeit den körpereigenen Botenstoff Serotonin. Dadurch wird eine Überflutung von Reizen ermöglicht. Das hat sowohl positive als auch negative Effekte.


a) Positiv beschriebene Effekte


Halluzinationen die zur Bewusstseinserweiterung führen können

Eine Art Traumzustand, der als euphorisierend und angenehm empfunden wird

Farben werden intensiver, Konturen schärfer

Geräusche werden klarer gehört

Synästhesien ("die Farbe gelb riechen können")

Ein Gefühl des inneren Wohlbefindens

Ein Gefühl von gelöster Entspanntheit

Lachdrang( sog. Lachflash)

tiefgehendes Verständnis der Dinge, sowie kreativer, philosophischer Gedankenfluss

Eine besondere Verbindung mit anderen Menschen und der Welt


b) Negativ beschriebene Effekte


Fundamentale Veränderung des Ich und der Umwelterfahrung

Kein klares Raumgefühl

Das Zeitgefühl wird verwischt

Halluzinationen die Angstzustände, Verfolgungswahn und Panikattacken auslösen können

Verändertes Körperempfinden bis hin zum Gefühl der Körperlosigkeit

Mögliche Reizüberflutung bei zu vielen Reizen

Verdrängte traumatische Erlebnisse können aus dem Unterbewusstsein wieder an die Oberfläche gelangen

Depressionen, sowie Angstgefühle und Gewalttätigkeiten

Verlust der Realitätskontrolle



Risiken


Auch bei langfristigen Konsum moderater Dosen sind keine körperlichen Schäden zu erwarten. Jedoch kann das Psilocybin, aber auch andere in den Pilzen enthaltene Wirkstoffe (Baecocystin, Bufotenin, etc.) anfänglich zu neurovegetativen Nebenwirkungen wie Atembeschwerden, Herzrasen und Veränderung im Blutdruck oder Puls kommen. Auf psychischer Ebene sind besonders psychisch labile Personen stark gefährdet. So kann es geschehen, dass wieder traumatische Erlebnisse, die während des Pilz-Trips aufgetaucht sind, ohne fremde Hilfe nicht mehr verarbeitet werden können. Dies führt zu Psychosen und Verwirrtheitszuständen.



Rechtslage


Psilocybinhaltige Pilze die zum Konsum als Droge bestimmt sind, fallen seit 1998 unter das Betäubungsmittelgesetz. Sie sind als nicht verkehrsfähige Betäubungsmittel in Anlage 1 des BtMG erfasst. Die Pilze an sich stehen nicht im BtMG, jedoch deren Wirkstoffe Psilocin und Psilocybin.


Gem. § 29 Abs. 1 wird mit Freiheitsstrafe von fünf Jahren oder Geldstrafe bestraft, wer Pilze, die diese Wirkstoffe enthalten, unerlaubt anbaut, herstellt, mit ihnen Handel treibt, sie, ohne Handel zu treiben einführt, ausführt, veräußert, abgibt oder sonst in den Verkehr bringt, erwirbt oder sich in sonstiger Weise verschafft.


Gem. §§ 29 Abs. 5 und 31a BtMG kann das Gericht bzw. bereits die Staatsanwaltschaft von einer Strafverfolgung absehen, wenn dem Täter nur der Erwerb oder Besitz einer geringen Menge ausschließlich zum Eigengebrauch nachgewiesen wird.


Die nicht geringe Menge Psilocin(also die Menge, ab der es nach § 29 a BtMG mindestens 1 Jahr Freiheitsstrafe gibt) liegt bei:

einem Wirkstoffgehalt von 1,2 g Psilocin ( 120 Konsumeinheiten á 10 mg)


Die nicht geringe Menge Psilocybin(also die Menge, ab der es nach § 29 a BtMG mindestens 1 Jahr Freiheitsstrafe gibt) liegt bei:


einem Wirkstoffgehalt von 1,7 g Psilocybin ( 120 Konsumeinheiten á 14 mg)


Zudem dürfen psychoaktive Pilze aufgrund der Aufführung in Anlage 1 BtMG nicht verschrieben, nicht verabreicht und nicht zum unmittelbaren Verbrauch überlassen werden.


Im Hinblick auf die Teilnahme am Straßenverkehr kann es zu folgenden Problemen kommen: Beim Fahren unter Halluzinogeneinwirkung kommt es zu Fehleinschätzungen der Geschwindigkeit und der Entfernungen. Zudem besteht eine starke Blendempfindlichkeit. Daher kommt es leicht zu einer Gefährdung des Straßenverkehrs nach § 315c StGB. Wer also ein Fahrzeug führt, obwohl er infolge geistiger und körperlicher Mängel (hier aufgrund des Pilz-Trips) nicht in der Lage ist, das Fahrzeug sicher zu führen und dadurch Leib und Leben eines anderen Menschen oder fremde Sachen von bedeutendem Wert gefährdet, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafen bestraft.


Auch ohne die konkrete Gefährdung der genannten Rechtsgüter droht ein Ermittlungsverfahren nach § 316 StGB (Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr), wenn man unter dem Einfluss von psychoaktiven Pilzen ein Kraftfahrzeug geführt hat und rauschbedingt nicht in der Lage war, dies sicher zu führen. Hierbei wird von äußerlich auftretenden Umständen auf die Fahrunsicherheit geschlossen. Auf die Fahrunsicherheit kann bereits dann geschlossen werden, wenn der Fahrer Schlangenlinien fährt.


Also sollte sich jeder Betroffene zunächst Gedanken machen, ob es sich wirklich lohnt, sich auf psilocybinhaltige Pilze einzulassen. Man sollte die Risiken dabei jedoch immer vorher vor Augen führen. Wie gesagt bedarf es nicht erst einiger Kilo von Zauberpilzen, um jahrelange Gefängnisstrafen zu bekommen. Daher tut man gut daran, einen Rechtsanwalt bzw. Strafverteidiger bereits im Vorfeld zu fragen, welche Sachverhalte unter welchen Umständen welche Strafe nach sich ziehen können.


Des weiteren ist ein Konsument bereits bei einmaligem Konsum als nicht mehr geeignet zum Führen von Kraftfahrzeugen anzusehen. Der Führerschein kann ihm also ohne weitere Untersuchungen entzogen werden. Das ist damit zu begründen, dass Zauberpilze psychoaktiv wirkende Stoffe i.S. der Anlage 4 Nr. 9.1 zur Fahrererlaubnisverordnung sind. Demnach sind als Führer eines Fahrzeugs nicht geeignet, wer BtM i.S. des Betäubungsmittelgesetzes einnimmt. Der Betroffene muss noch nicht mal unter Einfluss der Droge am Straßenverkehr teilgenommen haben. Zu diesem Entschluss ist das Verwaltungsgericht in München mit Beschluss v. 07.11.2011 gekommen. Dieser Meinung folgen bereits mehrere Gerichte und ist absolut gängige Praxis.


Selbst wenn das Straf-, bzw. Bußgeldverfahren eingestellt wurde, prüft die Fahrerlaubnisbehörde bei entsprechenden Verdachtsmomenten, ob der Konsument die Fahreignung besitzt. Das macht sie, indem sie zu einem ärztlichen Gutachten (inklusive Screenings) oder einer MPU auffordert. Das ärztliche Gutachten besteht aus einer Untersuchung und einem oder mehreren Drogenscreenings. Die MPU besteht aus insgesamt fünf Teilen (dazu gehören die ärztliche Untersuchung und Drogenscreenings, aber auch Reaktionstests, Fragebögen und ein psychologisches Gespräch). Es ist zu empfehlen sich für die MPU gründlich vorzubereiten, ich bereite Sie gerne hierauf vor.

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Kommentare: 4
  • #1

    Anne Stephanos (Freitag, 06 Januar 2017 16:22)

    Lieber Herr Schüller,

    danke für diesen Artikel. Selbst ich konnte noch etwas lernen (die recht großzügig gestaltete "geringe Menge" Psilocybin zB). Allerdings vermisse ich einen rechtlichen Aspekt: Nämlich die Einfuhr von Magic Mushrooms aus dem Ausland nach Deutschland. Dies ist ja oft der Fall, da sie in Holland legal sind. Was sagt das Gesetz hierzu? Auch wären Vergleichsurteile toll.

    Liebste Grüße!

  • #2

    Repeater (Freitag, 06 Januar 2017 23:34)

    Hallo Anne Stephanos, das steht doch auch im Text.....

    ... Gem. § 29 Abs. 1 wird mit Freiheitsstrafe von fünf Jahren oder Geldstrafe bestraft, wer Pilze, die diese Wirkstoffe enthalten, unerlaubt anbaut, herstellt, mit ihnen Handel treibt, sie, ohne Handel zu treiben einführt, ausführt, veräußert, abgibt oder sonst in den Verkehr bringt, erwirbt oder sich in sonstiger Weise verschafft

  • #3

    Bukem (Samstag, 07 Januar 2017 18:28)

    @Repeater: Du hast recht, Gesetzeslektüre erleichtert eben doch die Rechtsfindung. Vollständig heißt es allerdings "bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe".

  • #4

    H. Mertz (Dienstag, 14 Februar 2017 22:40)

    @Bukem Interessante Diskussion.

    Wie sieht es denn beispielsweise aus wenn Online-Redakteure Werbebanner von Sensi Seeds und ähnlichen Firmen auf Ihrer Webseite schalten ?

    Beispiel: http://www.drogen-info-berlin.de/

    Die Betreiber (siehe Impressum) der Webseite erhalten ja sicher eine monetäre Vergütung für die Werbung und die vermittelten Kunden.

    Kann man hier auch schon von Handel, Weitergabe oder Inverkehrbringung im strafrechtlichen Sinne sprechen ? Oder ist die reine Vermittlung/Bewerbung solcher Produkte im Internet okay ? Bzw. anders gefragt, sind die bestellenden Kunden juristisch allein verantwortlich und die Shops bzw. Werbepartner trifft keine Schuld ?

    Weiterhin frage ich mich ja auch, wieso die Samen, Kakteen, etc, überhaupt noch aus Holland verschickt werden. Den Holländern muss doch klar sein, dass das hier nicht gern gesehen wird. Aber diese Debatte würde hier sicher den Rahmen sprengen. Politk.. ;-)