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Hanfburg Forum: User Beiträge als Beweismittel für die Polizei Brandenburg für Handeltreiben

Die diversen Internetforen zum Thema Betäubungsmittel sind natürlich immer wieder auch Sammelplätze für Ermittler der Kripo, das ist sicherlich keine neue Erkenntnis.


Auch im Hanfburg Forum

ist das natürlich nicht anders.


Manchmal machen es die User den Beamten leicht, indem sie die Exif-Dateien (samt geographischen Koordinaten und Zeitangaben) nicht aus den hochgeladenen Bildern löschen. Das passiert dann und wann...meist achten andere User aber darauf und sorgen durch Ratschläge für Abilfe, bevor die Beamten die notwendigen Infos erhalten. Und auf der "Burg" sind täglich Polizisten unterwegs...leider habe ich noch keine Infos zu deren Nicknames erhalten (immer geschwärzt)...sollte das aber mal der Fall sein, werde ich die hier gerne fleissig posten.


Manchmal gibt es aber auch Konstellationen, in denen Grower einfach zu freizügig über Ihre Umtriebe in Foren berichten und irgendwie kommt die Polizei dann durch blöde Zufälle darauf, wer hinter einem Nickname steckt. Klar kann man sagen, dass Einträge in Foren womöglich nur begrenzten Beweiswert haben, da sie ja rein fiktional sein können.


Trotzdem fragt man sich, ob das narzistische Verhaltensweisen sind oder warum sich manche Leute so produzieren müssen, insofern haben Fragen anderer User wie "Brauchst du so dringend Aufmerksamkeit? Gibt genug Therapeuten für sowas!" irgendwie auch ihre Berechtigung.


Man weiß halt nicht, was ist real, was aus eher Münchhausen zuzuordnen?


Finden sich bei einem Mandanten aber Hinweise darauf, dass er unter Umständen einen bestimmten Nickname zuzuordnen sein könnte, dann schaut die Polizei dann auch mal gerne unter der Option "Mehr Beiträge vom User XY finden" alles was da so zu finden ist, denn das ist schnell gemacht und verspricht jedenfalls gute Ermittlungsansätze.


Konkret führte mein Mandant eine Art "Tagebuch" (gefunden bei einer Hausdurchsuchung) in dem sich laut Auskunft der unangenehm amüsierten zuständigen Polizeibeamtin (Süffisant: "Wir wissen ja nicht, ob alle Angaben aus dem Artikel stimmen, gestehen Ihrem Mandanten aber eine gewisse schriftstellerische Freiheit zu") ein Nickname fand, unter dem auf der "Burg" mehrmals gepostet wurde...unter anderem ging es um diesen Artikel:


http://forum.hanfburg.de/fhb/showthread.php?t=301958



Wenn "nebenher" noch andere Verfahren laufen, bei denen das Thema Bewährung nur noch schwerlich als realistisch zu bezeichnen ist, bedeutet ein solches Verfahren natürlich erstmal nichts gutes, zumal dann, wenn sich die dort angegebenen Dinge wie Mr. T´s Fakeperso, gefälschte Lohnnachweise und dergleichen mit den Ermittlungsergebnissen decken. Auch solche Aussagen wie "keine Uni heute" kann man sich schenken, wenn man im Real Life Student ist. So liefert man der Polizei die benötigten Infos frei Haus auf einem Silbertablett mit einem feinen Schleifchen drum.


Das kann dann eben das Zünglein an der Waage sein. Alle 2 Monate 200 Gramm / 100 Gramm davon verkauft über ca 2 Jahre liest sich halt erstmal blöd.


Das liest sich dann erstmal so:




Natürlich ist unklar, ob solche Forenbeiträge ausreichen können, um eine Verurteilung nach § 29 Abs. III BtMG oder nach § 29 a BtMG  zu rechtfertigen - aber das Gericht braucht keine hundertprozentige Gewissheit, dass sich ein bestimmter Sachverhalt so zugetragen hat. Es reicht, wenn es hinreichend davon überzeugt sind, ein paar Restzweifel schaden nicht. 

 

Die Mindeststrafe  liegt in beiden Fällen nicht unter einem Jahr Freiheitsstrafe.

 

Es bleibt spannend, wie die Staatsanwaltschaft diese Einträge bewertet, ob Sie anhand der Angaben ("200 Gramm" u.ä.) bestimmte vermutliche THC Werte errechnet (natürlich bei Zugrundelegung einer eher schlechten Qualität des Cannabis) und so weiter. Wenn man sich auf diesem Wege 1 Jahr und mehr "sichert", dann kann das jeder bewerten wie er will.

 

Ich meine: Sinnloser geht es nicht. Alle digitalen Medien bergen große Risiken. Klar ist es schön, sich im Forum auch mal loben zu lassen ("Fette Buds!", "1 Gramm pro Watt - fett!")...aber riskant bleibt es immer.

 

Jeder, der größere Mengen Gras anbaut und am besten auch noch gewinnbringend verkauft, sollte den Informationsfluss zu diesem Thema möglichst auf null reduzieren. Nicht nur im Freundeskreis sondern auch und gerade bei allem, was mit den Internet zu tun hat. Vom Kauf des Equipments bis zur virtuellen Selbstanzeige kann man sich da viele Fehler einfach schenken.

 

Die eigenen Abnehmer (und deren Abnehmer) stellen ohnehin ein großes Risiko dar und viele Leute verlieren schnell die Nerven, selbst wenn  es um wenige Gramm geht. Die kennen sich nicht aus, die Polizei redet was von Knast wegen 20 Gramm und schwups singt das Vögelchen. Stichwort § 31 BtMG. "Erzählen Sie doch mal von wem Sie das haben und dann sind Sie fein raus!". Und schon klingelt es bald an der Tür.

 

Heißt: Das Geschäft ist riskant genug und es gibt keinen Grund, noch mehr Gefahrenquellen zu schaffen um die eigene Kriminalisierung voranzutreiben. Das Schweigerecht ist schön und gut...eine vorgelagerte selbstauferlegte Schweigepflicht zu bestimmten Themen ist aber noch hilfreich. Wer mit seiner Freiheit spielt, sollte das wissen und zumindest einen gewissen Grad an "Professionalität" nicht vermissen lassen.

 

Was bei der Sache hier letztlich herauskommt ist nicht zu prognostizieren. Mein Mandant schweigt zur Sache und nach Akteneinsicht wird man sehen, ob die Foreneinträge wirklich alles sind, was die Gegenseite in der Hand hat. Wie gesagt: Wo die Grenze zwischen Dichtung und Wahrheit besteht, ist nicht ganz klar in vielen Fällen.

 

Das man sich in einem Forum über´s Growen austauscht, ist legitim, besonders bei einem Thema, dass so viele Leute fesselt und begeistert - hierbei sollte aber sichergestellt sein, dass nach Möglichkeit die wahre Identität manches Growers besser nicht ans Tageslicht kommt, denn dann ist das übliche Procedere wie Stromanbieteranfrage, Telefonüberwachung etc ziemlich sicher gebucht ist.

 

Wenn die Ermittlungsakte der Staatsanwaltschaft Frankfurt/Oder hier vorliegt, werde ich mal ein paar Seiten herauskopieren um zu zeigen, wie die Arbeit der Polizei genau vor sich geht.

 

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Dudelsack (Donnerstag, 04 Juni 2015 06:34)

    Vielen Dank für die ganze Aufklärungsarbeit, die hier geleistet wird!

  • #2

    RA Schüller (Donnerstag, 04 Juni 2015 10:32)

    Sehr gerne. Letztlich hat das aber nichts mit Aufklärung zu tun, das Durchforsten von Drogen oder Darknet Foren oder Webseiten (seien es Hanfburg, Opencannabis, Crimenetwork, Agora, The Pirate Market, Hydra, Blackmarket Reloades v3 oder wie sie alle heißen) ist gehört eben zur täglichen Routinearbeit der Polizei. Wer ernsthaft glaubt, dass dem nicht so sei, der mag das eben glauben.

    Ich stelle die weiteren Teile der Akte mit den klaren Bezügen und Screenshots und den sicherlich interessanten Schlußfolgerungen der ermittelnden Kommissarin hier ein. Ich kann es nur wiederholen: Die BtM Abteilungen der zuständigen Dezernate bei der Polizei verfügen häufig über gutes und motiviertes Personal. Da sind zum Teil ein paar echt Techniknerds dabei, die einen ausgeprägten Spürsinn und hohe Motivation beim Aufdecken von Straftaten im Zusammenhang mit Cannabis und anderen Drogen/BtM haben.

    Da erstaunt es immer wieder, wie leichtsinnig und unbedacht sich manche Leute an die Klinge liefern. Mit minimaler Ermittlungsarbeit hohe Strafen rauskriegen, so läuft das im BtM Bereich. Sinnfrei, diese ohnehin schon viel zu leichte Arbeit noch dadurch zum Selbstläufer zu machen, dass man sich in der digitalen Welt unschlau verhält.

    Die etwas ältere Generation kennt noch die weisen Worte des Herrn Lustig, die jüngere sei daran erinnert: Einfach mal abschalten. Rechner, Handy aus etc. pp.

    https://www.youtube.com/watch?v=iwlCNTaA0Ds

    Grower, die sich den modernen Medien verweigern, schalten sehr viele Gefahrenquellen ab. Das gilt für jedes Stadium des Ermittlungsverfahrens.

    Die Hanfburg ist ein super Forum, keine Frage das beste zum Thema in Deutschland. Etwas rau im Ton zuweilen aber mit Sicherheit nicht von ungefähr so hochfrenquentiert. Wer mit Drogen umgeht, egal ob Anbau, Handeltreiben, Einfuhr sollte hierüber eisern schweigen.

    Klar gibt es Bereiche im "operativen Geschäft" des geneigten Hanfverkäufers, an denen ein Kundenkontakt unumgänglich ist. Alles was darüber hinaus geht, ist unschlau.

    Spannend, dass die Grower dicke Wälzer über die diversen Anbaumethoden spielerisch verschlingen und mit Otto Normal Verbraucher völlig fremden Wörtern und Kürzeln wie Scrog, SOG, Hydro herumhantieren und top Ergebnisse erzielen, die man nur als hochprofessionell bezeichnen kann und gleichzeitig in Sachen eigener Sicherheit ein amateurhaftes Verhalten an den Tag legen, dass echt Fragen aufwirft. Es geht halt immer schnell um Verbrechen...ein Jahr und mehr...mit etwas Pech fünf Jahre aufwärts, da sollte man den Informationsfluss eben überall dort kappen, wo es möglich ist.

    Und dazu gehört eben auch schon, dass man sich kein Growequipment online bestellt sondern bar im Laden kauft ohne das eigene Auto um die Ecke zu parken. Weil das viele Leute viel zu lax handhaben, gibt es soviel "Erfolg" bei der Ermittlungsarbeit der Polizei.

  • #3

    Kasel (Freitag, 24 Februar 2017 10:18)

    Ich hatte mal den Verdacht das mein Sohn Hanf zu sich nimmt. Hab danach ein Privat Detektiv eingeschaltet der mir das bestätigt hatte. Hab dann alles einkassiert und seit dem raucht er nicht mehr