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Energiesperre bei Hochschwangerer wegen 700 Euro....keine Gnade bei der SWB - Menschlichkeit wo bist Du verloren gegangen?

Das sich die lokalen Energieversorger wie die SWB in Bremen in Sachen Rücksichtsnahme nicht mit Ruhm bekleckern, wenn es darum geht, ihre aus meiner Sicht sowieso sinnlosen Energiesperren durchzusetzen, ist nichts neues.


Natürlich kann man über eine Unterbrechung der Zufuhr von Gas, Wasser und Strom reden, wenn sich tausende Euro Schulden beim Versorger aufgetürmt haben und ein Ausgleich auch mittelfristig illusorisch erscheint. Klar, den Energiekonzernen geht es schlecht, da ist doch seit je her Ebbe in der Kasse und die Vorstände darben zuhause bei Wasser und Brot.


Das ist unter Anspannung der eigenen Willenskraft nachvollziehbar, wenn man es denn schafft, sich in einen Mitarbeiter der Inkassoabteilung der SWB oder der leitenden Personen, die sich hierfür verantwortlich zeichnen, hineinzudenken. Ich weiß, dass ist schwer. Ich will hier auch niemanden die Laune verderben durch irgendwelche Gedankenexperimente.


Eins scheint klar:


Lieferung von Wärme und menschliche Wärme haben nichts miteinander zu tun. Das Geschäft ist menschlich kalt. So kalt eben wie eine unbeheizte Wohnung eben sein kann. Und noch kälter. Ungefähr so auf Höhe des absoluten Nullpunktes, wenn man mich fragt.


Wenn wie heute eine noch sehr junge Mandatin zwölf Tage vor der Geburt ihres zweiten Kindes (das erste Kind ist auch noch keine zwei Jahre alt) verzweifelt in der Kanzlei auftaucht und mir den "gelben Zettel" der SWB, die "Letzte Zahlungsaufforderung vor der Liefersperre" unter die Nase hält und mir dazu Schreiben des zuständigen Jobcenters überreicht, dass ein schnelles Eingreifen, d.h. die Gewährung eines Darlehens (und nur das wollte die Mandantin!) wie üblich geschickt mit unnötiger Bürokratie so weit verzögert, dass ihr nichts übrig bleibt, als vor das Sozialgericht zu ziehen, um ihre Kinder noch waschen zu können und sie nicht nachts nicht nur im Kerzenschein sehen zu können, so zeigt das sehr deutlich, wie unmenschlich und empathiefrei hier verfahren wird. Kein Mensch mit zumindest einem Rest Einfühlvermögen kommt hier nicht daran vorbei, die Faust zu ballen.


An die, die es angeht:


Schämt Euch! Verkriecht Euch weiter in Euren Jobcenterbüros oder in Euren abgeschirmten Inkassoabteilungen und behandelt Menschen wie den letzten Dreck! Es wird alles auf Euch zurück fallen, ob ihr wollt oder nicht. Das Gesetz von Ursache und Wirkung nennt man das. Feiert Euch ein wenig für das bißchen Macht über Menschen in Notsituationen, die scheinbar alles ist, was euer trostloses Leben noch so zu bieten hat.


Die Beatles haben mal eine sehr wichtigen Satz geprägt, ihr solltet mal drüber nachdenken:


"And in the end the love you take is equal to the love you make."


Manchmal ist man sprachlos über die Kälte, die das System ALG II den Menschen entgegenbringt. Und tatsächlich: Es sind Menschen, keine wandelnden BG Nummern, die aber offenbar als Manövriermasse geltungssüchtiger oder anderweitig sozial derangierter JC-Mitarbeiter betrachtet werden und nicht mehr als Subjekt erkennt werden.


Mein Anschreiben an das Jobcenter ist zwar etwas emotional und so geschrieben, wie man als zur Sachlichkeit verpflichteter Jurist eher nicht schreiben sollte, das Antwortschreiben erwarte ich aber sehnsüchtig und werde es so schnell es geht hier posten. Die Antwort dürfte furztrocken und robotermäßig kommen und vielleicht sogar ohne Unterschrift gültig sein. Wer erwartet was anderes?



Hier mal der Text, der wie gesagt auf einem leichten Zornimpuls geschrieben wurde:



"Sehr geehrte Damen und Herren,                                         Bremen, 15.04.2015


hiermit zeige ich an, dass mich Frau ..... (BG Nr ....) mit der Wahrnehmung Ihrer rechtlichen Interessen beauftragt hat. Vollmacht liegt an.


Ich bitte um Akteneinsicht bzgl oben genannten Verfahrens, die Akte soll persönlich abgeholt, kurz kopiert und dann direkt zurück gebracht werden. Bitte lassen Sie mich wissen, wann und wo ich mich einzufinden habe.


Ich teile hiermit mit, dass entgegen Ihrer Auffassung eine Energiesperre unmittelbar bevorsteht. Das entsprechende Schreiben der SWB mit dem Hinweis „Ratenzahlung abgelehnt“ finden Sie im Anhang zu diesem Schreiben.


Meine Mandantin erwartet in zwölf Tagen die Geburt ihres zweiten Kindes, das erste ist noch keine zwei Jahre alt.


Sie kann den offenen Beitrag bei der SWB aus eigenen Mitteln nicht begleichen. Vermutlich wird man jetzt wieder Schriftverkehr führen können, ob dies denn nun schon ein Härtefall ist, welche Dokumente noch fehlen und dass es eh sinnvoller ist, zuerst den tatsächlichen Vollzug der Stromsperre abzuwarten. Aber lassen Sie mich zwei Fragen stellen: Was hindert hier daran, schnell Abhilfe zu leisten? Ist das die hausinterne Direktive des JC? Oder ist irgendwo in den Flurschluchten im Doventorsteinweg die Menschlichkeit abhanden gekommen? Meine Herren – das sind kaltherzige Zeiten in denen wir leben.


Soll das Neugeborene dann halt ohne Energie und Wasser auskommen. Wissen Sie überhaupt, was Sie da gerade verantworten? Wissen Sie das wirklich? Oder ist es tatsächlich so, dass alles zwischenmenschliche, jede Empathie in den Niederungen des SGB II versickert? Lassen Sie das bitte nicht zu. Ihnen dürften derlei Appelle wohl egal sein angesichts der Aktenflut auf Ihrem Schreibtisch und den zweifellos sonderbaren systemischen Bedingungen, die Ihr Arbeitsplatz so mit sich bringt. Aber: All das entbindet nicht davon, menschliche Entscheidungen dort zu treffen, wo sie nötig sind. Ich versuche wenigstens etwas Zeit zu gewinnen, habe aber auch selber Kinder. Keine einfache Situation, niemand kommt völlig unverschuldet in eine Situation wie meine Mandantin, das weiß ich auch. Aber trotzdem: Ich bitte um Nachsicht und schnelle möglichst unbürokratische Abhilfe.


Ich bitte dringend darum, dafür Sorge zu tragen, dass es nicht zu einer Stromsperre kommt. Es wäre möglich, dass sich die Mandantin sich mit 200 Euro an den Kosten beteiligt, sie hat sich das Geld geliehen. Ein entsprechendes Schreiben an die SWB mit nochmaliger Bitte habe ich eben an diese gefaxt.


Bitte kontaktieren Sie mich umgehend, um die Angelegenheit kurz zu besprechen, am besten unter oben angegebener Mobilnummer, vielen Dank.


So. Reicht jetzt mit ungewöhnliches Statements. Ich meine es wirklich so: Es wäre ein sehr feiner Zug von Ihnen,hier Milde walten zu lassen. Auch wegen der Mandantin, vor allem aber wegen der Kinder.   ..."


Ich wette, dass ich keine Antwort innerhalb der nächsten 2 Wochen erhalte und mein Brief erstmal auf der Ablage landet...


Tatsache ist, dass die Jobcenter helfen müssen, wenn die Energiezufuhr bereits gesperrt wurde, weil dann eine der Wohnungslosigkeit vergleichbare Notlage vorliegt (vgl etwa LSG Niedersachsen Bremen, Urteil vom 25.08.2009 - L 7 AS 546/09). Es ist nicht ganz ersichtlich, was dieser würdelose Eiertanz der Jobcenter und auch der Sozialgerichte eigentlich soll,wenn klar ist, dass die Zeche am Ende so oder so gezahlt werden muss - aber offenbar macht es der einen oder verantwortlichen Person Spaß, mal etwas die Muskeln spielen zu lassen und die Bedürftigen in echte Nöte zu bringen. Es reicht dann nicht aus, dass die Energiesperre "nur" unmittelbar bevor steht...


Wer hat da nochmal was von "Sozialstaat" gefaselt? Und wer hat sich noch darüber beschwert, dass die Geburtenrate ständig sinkt?


So. Zwischenzeitlich hat sich die SWB zurück gemeldet. Hier die wichtigsten Zeilen nach dem üblichen Gelaber (nicht genügend Geld eingegangen, hatten bereits gewarnt etc pp).


Die SWB nimmt sich ein Herz. Kann man nicht anders sagen. Zwei Wochen Aufschub. Na dann kann sich die Mandantin mal entspannt zurücklehnen. Erst wenn das Kind da ist, droht die Energiesperre. Vielleicht entschliesst sich das zuständige Jobcenter ja bis dahin mal etwas zu unternehmen.


Man muss sich das alles mal vor Augen halten: Da ist ein Baby in den nächsten Tagen zu erwarten und statt unbürokratisch und schnell zu helfen, gibt es so ein Theater. Man könnte selbst bei der SWB mal über eine Stundung nachdenken. Bis das Kind etwas älter ist und die Mutter wieder arbeiten kann. Wäre irgendwie fair. Aber die lassen halt lieber die Lichter ausgehen. Verantwortung sieht anders aus. Ich würde anstelle des Kindes später kein Kunde bei der SWB werden...Familien zählen nichts und Kinder zählen wohl erst recht nichts. Unsozial ist noch eine beschönigende Beschreibung einer solchen Gesinnung...

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