Rechtsanwalt und Strafverteidiger

 

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Udopea-Verfahren: Staatsanwaltschaft entdeckt Supersorte Cannabis mit über 100 % Wirkstoffgehalt!

Im Zuge der damaligen Durchsuchung bei Udopea Bremen hatte ich heute morgen einen Kunden dieses Growshops vor Gericht zu verteidigen.

 

Bei ihm wurden ca. 3,3 KG Cannabis gefunden, als die Polizei seinerzeit zu Besuch kam. Im Vorfeld das übliche Procere: Stromanbieterabfrage, die normalen Schnüffelspielchen eben.

 

Interessant an der Nummer war aber, dass die Anklage der Staatsanwaltschaft eine botanische Sensation in sich hatte, die eigentlich jeder wissenschaftlich als gesichert geltenden Annahme widerspricht - aber sehen Sie selbst:

 

Daraus ergibt sich, dass eine Menge von 439,35 Gramm Cannabis tatsächlich 650,5 Gramm THC enthalten haben soll. Und eine andere Probe mit 255,90 Gramm auch gar nicht mal so üble 254,1 Gramm THC. Vor diesem Hintergrund verstehe ich die Diskussion um Cannabis als "harte Droge" endlich besser.

 

Ob´s am guten Hesi Blüte Komplex Dünger, ausgefeilter Mischbeleuchtung (NDL X LED?), der liebevollen Behandlung oder schlichtweg an der guten Luft hier in Bremen lag kann ich nicht sagen.

 

"Growergeheimnis" - so der knappe Kommentar des Mandanten.

 

Von dieser Stelle herzlichen Glückwunsch an den Mandanten, der in der ewigen Bestenliste der Grower weltweit wahrscheinlich die Spitzenposition auf Jahre einnehmen wird und angeblich kurz vor der Krönungszeremonie des Geheimbundes der Ultragrower stehen soll, wie mir aus vertraulichen Kreisen zugespielt wurde.

 

Nachdem in der Verhandlung durch meinen Hinweis allen Beteiligten klar wurde, dass mit diesen Werten irgendwas vielleicht nicht stimmen kann, stellte sich das als angeblicher Schreibfehler hinaus - schade. Mit so einem Betriebsgeheimnis im Gepäck hätte man das Saatgutbuisness aufmischen können und wäre in Lichtgeschwindigkeit an Sensi Seeds und Co vorbeigerauscht.

 

So bleibt nur die schnöde Realität, die da lautet:

 

Nachdem feststand, um welche Menge es sich nun tatsächlich handelt, verständigte man sich auf ein Strafmaß von 1 Jahr und 6 Monaten, ausgesetzt auf 2 Jahre Bewährung. Und 1000 Euro für eine Kinderklinik in Bremen, wo Jugendliche mit Cannabispsychosen behandelt werden. Ziemlich viele übrigens in der letzten Zeit, Tendenz steigend.

 

Es wurde der Anbau zu Verkaufszecken zugegeben. Das hat den Vorteil, dass man gute Chancen hat, den Führerschein behalten zu dürfen, was bei der Argumentation mit Eigenkonsum schwierig werden dürfte. Wer den Führerschein beruflich braucht, muss die Verteidigungslinie deshalb dringend vorher mit seinem Anwalt besprechen. Aber bei diesen Mengen wird man ein Eigenkonsum kaum abnehmen, bei etwa 300 Gramm aber schon...

 

3,3 KG Cannabis ergeben über den Daumen gepeilt hier in Bremen 1,5 Jahre.

 

Sofern die Sozialprognose stimmt. Wer also ein entsprechendes Ermittlungsverfahren an den Hacken hat, muss sein Leben ordnen und sich Arbeit suchen, alles andere könnte am Ende heißen: Keine Bewährung.

 

 

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Samba (Mittwoch, 27 Januar 2016 19:01)

    Hallo, das Strafmaß erstaunt mich.Ich glaub ich ziehe auch nach Bremen.
    In meinen Augen eine sehr,sehr milde Strafe von der man im Süden wahrscheinlich nicht ausgehen kann.
    Danke für die Info Herr Schüller.

  • #2

    Rechtsanwalt Schüller (Donnerstag, 28 Januar 2016 11:06)

    Der Mandant hat Arbeit, Familie und treibt viel Sport. Hat sogar aufgehört zu rauchen. Rechtlich noch nie in Erscheinung getreten. Der wäre nach meinem Dafürhalten auch im Süden nicht in die Kiste gegangen bei der super Sozialprognose.

    Mein Mandant war mit der Strafe zufrieden. Und ich bin es auch. Man muss halt die Realität im Auge behalten. Man kann schlecht sagen, wo hier die Grenze ist, aber wenn jemand Arbeit hat und insbesondere Kinder versorgt, wird er hier vermutlich auch mit der doppelten Menge Cannabis nicht einfahren. Wird sich zeigen. Habe hier bald Verfahren, die ähnlich gelagert sind, Mandanten mit Jobs und Familie. Zwischen 8 und 15 KG geht es dort. Werde hier mal berichten, was daraus geworden ist. Schöne Grüße in den Süden...