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Di

13

Jan

2015

Fakten zur Udopea Durchsuchungswelle: 28.000 Kundendatensätze beschlagnahmt, Abgleich der Personendaten mit Hanfstation Daten

Langsam kommt etwas mehr Licht ins Dunkel bzgl der bei der Firma Udopa beschlagnahmten Datensätze und der Frage, nach welchen Kriterien diese ausgewertet wurden.


Zunächst einmal die nackten Zahlen:


Bei der Hausdurchsuchung der Geschäftsräume bei Udopea Bremen am 18.06.2014 wurden beim Auslesen der Datenspeicher exakt 28011 Datensätze beschlagnahmt (Quelle: Schreiben des Landeskriminalamts Niedersachsen an die Polizeidirektionen Braunschweig, Göttingen, Hannover, Lüneburg, Oldenburg und Osnabrück, siehe unten).


Zitat:


"Aus dieser Datenbank sind Datensätze nach szenetypischen Cannabis-Aufzucht-Zubehör selektiert und aufbearbeitet worden und an die örtlich zuständigen LKA der Bundesländer übersendet worden".



Übersetzt aus dem Beamtenjargon heißt das: Alles was nur dem Konsum von Cannabis dient wie Bongs, Papers, Vaporizer und sowas, wurde ausgesiebt und vermutlich mal für später zur weiteren Beobachtung auf Halde gelegt.


Der Begriff des "szenetypischen" Anbauzubehörs wird von der Polizei sehr weit ausgelegt. Alles was mit Botanik zu tun hat und im Growshop zu kaufen ist, gehört dazu (so scheint es jedenfalls)...also Töpfe, Erde, Lampen, Dünger, Bewässerungsanlagen, Zeitschaltuhren, Nützlinge und so weiter.


Wer sowas bestellt hat, steht mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auf den Listen, die den zuständigen Landeskriminalämtern (=bundesweit) zugesendet wurden und wird vermutlich Besuch bekommen. Zumindest aber laufen bereits jetzt oder auch erst später weitere Maßnahmen wie Anfragen beim Stromanbieter, Beobachtung des Hauses (Verdunkelte Fenster? Abluftschläuche erkennbar? Was befindet sich in der Biotonne bzw den Gartenabfällen? Gehen häufig Leute ein und aus? Was sagen die Nachbarn so?).


Weil die Polizei es ja gewohnt ist, sich der Methoden der Rasterfahndung zu bedienen, hat sie dann die Datensätze, die beim Hanfstation Bust beschlagnahmt wurden, mit denen aus der Udopea Datenbank abgeglichen.


Die Treffer wurden dann weitergeleitet. Allein für den Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion Oldenburg ergab das 55 Treffer (und damit vermutlich 55 Hausdurchsuchungen).


Für die betreffenden Personen gilt: Hausdurchsuchung sicher wie das Amen in der Kirche.


Für die Personen, die nicht bei beiden Läden bestellt haben gilt praktisch dasselbe, ich gehe jedoch davon aus, dass bei der Gruppe Udopea x Hanfstation zeitlich gesehen zuerst zugegriffen, also schematisch vorgegangen wird.


Stand 11.11.2014 fand ein Daten-Abgleich mit den polizeilichen Auskunftssystemen noch nicht statt, da die Geburtsdaten der Personen noch nicht vorlagen, die auf der Liste waren (gilt für das LKA Niedersachsen bzgl Udopea). Es wurde also noch nicht geschaut, ob die Personen schon mal wegen BtM aufgefallen sind. Kann natürlich jetzt ganz anders sein.


Dass bzgl. der Durchsuchung bei Euphoria auch ein Abgleich mit den Hanfstation-Daten stattfand, ist anzunehmen. Gleiches gilt für die anderen betroffenen Growshops.


Also Abschlussinfo ist vielleicht noch von Interesse, dass bei der zeitgleichen Durchsuchung von Udopea und anderen Örtlichkeiten, die damit im Zusammenhang standen, nur am 18.06.2014 909 Cannabispflanzen und 7,05 KG verkaufsfähigen Cannabis beschlagnahmt wurden.


Bundesweit dürften wahrscheinlich hunderte KG Cannabis sichergestellt werden, insofern handelt es sich dabei um einen schweren Schlag für die Grower-Szene.



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Kommentare: 4
  • #1

    Seven (Mittwoch, 11 Februar 2015 22:43)

    Mit was für einem Strafmass bei Verurteilung ist in diesem Fall zu rechnen wenn nach Abschluss der Ermittlungen sich die Beihilfe auf über 100 kg errechnen sollte.

    Da nicht nur die 2 Geschäftsinhaber sondern auch mindestens 1 Angestellter unter Verdacht stehen kann dann davon ausgegangen werden das hier auch gewerbsmässige OK zur Anklage kommt ?

  • #2

    strafverteidiger-schuelle (Sonntag, 15 Februar 2015 15:38)

    Das mit der Beihilfe muss sich ja erstmal bewahrheiten. Darum geht es hier auch nicht, jedenfalls meiner Meinung nach. In erster Linie waren hier die Kundendaten von Relevanz mit den Growshops als Datenmittler. Irgendwas muss man den Gerichten ja vortragen, um an die Daten der Kunden zu kommen. Beihilfe zum Anbau in nicht geringen Mengen klingt dann natürlich schon mal gut. Was am Ende des Tages davon für die Shop Imhaber übrig bleibt ist eine andere Frage. Und das wird nach meiner Einschätzung nicht auf Beihilfe zum Anbau von 100 KG Cannabis oder mehr hinauslaufen. OK? Im Sinne von Bandenkriminalität? Darum geht es hier nicht. Kirche im Dorf lassen, also ehrlich. Gibt der Fall meiner Einschätzung nach nicht her. In dem Schreiben steht ja auch nichts von § 30 a BtMG. Wenn dafür genug Beweise da wären, würden sich die fleissigen Herren Ermittler aus Niedersachsen oder den fleissigen Überwachungsprofis des Bremer K43 nicht dafür zu schade sein, diesen unschönen § auch zu nennen. Ist ja ermittlungstechnisch schon ein Goldnugget, was man dann gefunden hat. Nochmal: Es ging von vorherein um die Daten der Udopea und Euphoria Kunden. Die Beihilfe Vorwürfe sind zum Teil beschönigend als absurd zu bezeichnen. Mehr oder weniger haltlose Vorwürfe - jedenfalls was den konkreten Vorwurf der Beihilfe im großen Maßstab angeht. Natürlich hätte die Polizei das gerne, da könnten die sich richtig schön auf die Schulter klopfen, wie toll sie da wieder für Recht und Ordnung gesorgt haben. Freunde und Helfer. Immer wieder gerne gesehen.

  • #3

    Bernd (Montag, 16 März 2015 19:02)

    Moin!
    Ich habe am 13.03.15 eine Anzeige wegen angeblichem Marijuana Anbau erhalten! Mit der Begründung, dass ich anfang 2013 AKTIVKOHLEFILTER(!) beim besagten Shop bestellt habe!

    Meint ihr ich muss mit einer Hausdurchsuchung und Überwachung rechnen?
    Ich mein Aktivkohlefilter sind nunmal ein ziemlich lächerlicher Grund für solch einen Vorwurf!!

  • #4

    strafverteidiger-schuelle (Dienstag, 17 März 2015 09:34)

    Lächerliche Gründe gibt es genug, die Ermittlungsakten in diesen Verfahren sind voll davon. Ein AKF beim Growshop bestellt = szenetypisches Anbauzubehör = häufig Hausdurchsuchung. Wenn aber wie in Ihrem Fall erst die Ladung zur Vernehmung (Generell gilt hier: nicht hingehen, nichts sagen! Anwalt konsultieren und den das regeln lassen!) wegen der damit verbundenen Warnfunktion, dass eine HD nicht mehr besonders wahrscheinlich ist. Vielleicht hat die Polizei keinen Durchsuchungsbeschluss beim Gericht durchgekriegt (manche Richter winken eben nicht jeden Mist durch) und nun wird eben versucht, über eine Vernehmung an die gewünschten Infos zu kommen. "Überwacht" wurden Sie vermutlich schon, d.h. Stomverbrauchsanfrage bei Ihrem Versorger, Abchecken Ihres Hauses bzw der Wohnung von außen usw. Wie gesagt: Ruhe bewahren und keine Aussage machen und die Abwicklung der Sache jemanden überlassen, der sich damit auskennt. Klingt aber nicht wirklich so, als hätte die Polizei irgendwas mit vernünftigen Brennwert gegen Sie in der Hand. Ob es schlau ist, jetzt zuhause noch einen Grow durchzuziehen? Das müssen Sie sich selber beantworten...die Antwort ist aber nicht so schwer zu finden...